13 December, 2018, 01:59

Women in Tech: Lea von Bidder – Co-Founderin von Ava

Allein in Deutschland leben 1,5 bis 2 Millionen Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Das Schweizer Unternehmen Ava hat einen Fruchtbarkeits-Tracker auf den Markt gebracht, der eine völlig neue Methode zur Beobachtung des weiblichen Zyklus‘ verwendet und Frauen dabei helfen möchte, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Wir haben mit Co-Founderin Lea von Bidder im Interview über das innovative Armband, seine Möglichkeiten und die Visionen von Ava gesprochen.

Tech and the City: Was ist Ava und wer steckt dahinter?

Lea von Bidder: Ava ist ein Medizintechnikunternehmen, das sich der Innovation im Bereich der reproduktiven Gesundheit von Frauen verschrieben hat. 2014 von Pascal Koenig, Philipp Tholen, Peter Stein und mir gegründet. Wir sind international tätig mit Fokus auf die USA und Europa. Wir haben unseren Sitz in Zürich und San Francisco und spezialisieren uns auf neue Erkenntnisse im Bereich Medizintechnik der reproduktiven Gesundheit. 2017 sowie 2018 wurde Ava in der Schweiz zum Start-up des Jahres gekürt, was uns mit viel Stolz erfüllt.

Das Ava Armband ist unser erstes Produkt für den Konsumentenmarkt und verwendet Sensor-Technologie mit klinisch getesteten Auswertungen, um den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage einer Frau genau und in Echtzeit feststellen zu können. Unser Ziel ist es, dass Ava Begleiter aller Frauen im reproduktiven Alter und darüber hinaus wird. Wir haben bis dato 42,2 Millionen USD (35,7 Millionen EUR) an Investitionen erhalten.

TATC: Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

LVB: Es war einer meiner Mitgründer, dessen Frau schwanger werden wollte und von den gängigen Methoden frustriert war. Das war eigentlich die Initialzündung für Ava.

Die Technologie erleichtert uns das Leben auf bisher nicht gekannte Weise. Mit nur einem Tastendruck können wir ein Taxi rufen, Essen bestellen oder Fotos teilen. Doch wenn es um frauenspezifische Dinge geht, scheinen wir häufig noch im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein. Dazu gehört auch die Zyklusverfolgung. In diesem Bereich gab es in den letzten Jahrzehnten keine nennenswerten Innovationen.

Wir haben Ava entwickelt, weil wir der Meinung sind, dass Frauen eine modernere Methode zur Verfolgung ihres Zyklus und ihrer Gesundheit in jeder Lebenslage verdienen. Sie haben ein Recht auf genaue und zuverlässige Daten über ihre Fruchtbarkeit, ihre Schwangerschaft und darüber, wie sich der Zyklus auf ihr allgemeines Wohlbefinden auswirkt. Und bequem und unauffällig erfasst werden.

TATC: Was ist deine Aufgabe und mit welchen Schwierigkeiten siehst du dich als Frau im Tech-Bereich konfrontiert?

LVB: Ich leite unser Büro in San Francisco mit inzwischen fast zehn Personen und bin global zuständig für unser Marketing und den Kundendienst. Alle Gründer sind operativ involviert und leiten je einen Bereich der Firma wie beispielsweise Data Science, Operations, etc. Ich sehe mich als Frau nicht mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert, aber wünsche mir natürlich eine bessere Diversität in der Tech-Szene.

TATC: Wir haben das Wearable schon nach dem Launch Anfang 2017 auf techandthecity.de vorgestellt. Welche Neuerungen gab es seitdem bzw. welche sind in Planung?

LVB: Herzlichen Dank für euer stetiges Interesse an Ava 🙂

Seit unserer Lancierung hat sich so einiges getan, nicht nur haben wir in weiteren Märkten, wie beispielsweise England durchgestartet, sondern haben auch unser Ava Armband (Design und Tragbarkeit) und die dazugehörige App (Design und Inhalte) weiter aktualisiert.

Wir führen im Moment einige verschiedene Studien im Bereich Fruchtbarkeit, aber auch im Bereich von Schwangerschaftsverfolgung durch, sodass wir unserer Vision (Ava Begleiter aller Frauen im reproduktiven Alter und darüber hinaus) hoffentlich in Zukunft ganz Nahe kommen.

TATC: Welche Informationen verrät die App?

LVB: Der Ava Fruchtbarkeits-Tracker ist für Frauen, die ihre Gesundheit beobachten wollen, während sie versuchen, schwanger zu werden oder wenn sie ihren Körper besser kennenlernen wollen.

Das Ava Armband verwendet eine vollständig neue Methode zur Beobachtung des Menstruationszyklus‘ und der Gesundheit der Frau. Mit Hilfe von Sensoren werden verschiedene unterschiedliche physiologische Parameter im Schlaf erfasst (Hauttemperatur, Ruhepuls, Atemfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Durchblutung, Bewegung, Wärmeverlust, Schlafqualität). Avas Algorithmus erkennt so die fruchtbaren Tage, das physiologische Stresslevel, die Schlafqualität und noch viel mehr. Dies wird bei morgendlicher Synchronisation mit der Ava App angezeigt.

Andere Methoden zur Bestimmung der Fruchtbarkeit basieren auf nur einem Parameter und können somit das fruchtbare Zeitfenster nicht in Echtzeit und in seiner Gesamtheit abbilden. Ava erkennt die ersten Anzeichen für den Beginn der fruchtbaren Phase und zeigt an, wann sie zu Ende ist. Und da Ava einfach nachts am Handgelenk getragen wird, liefert es zuverlässige Zyklusinformationen bei minimalem persönlichem Aufwand.

TATC: Muss ich das Band immer tragen, damit die Messungen eindeutig sind?

LVB: Um präzise Resultate (5 fruchtbare Tage pro Zyklus mit einer Genauigkeit von 89%) zu erhalten, sollte das Ava Armband jede Nacht während des Schlafs getragen werden. Hier findet ihr einen weiterführender Artikel zu unserem Algorithmus.

TATC: Bei den Messungen geht es um intime Details. Wie sicher sind die Daten?

LVB: Datensicherheit ist für uns sehr wichtig und wir haben ein ganzes Team, das sich mit diesem Thema beschäftigt, sodass wir unseren Nutzerinnen höchste Standards anbieten können. Die Ava Daten werden in anonymisierter Form für weitere Studien und Nachforschungen ausgewertet, natürlich nur, wenn von Nutzerinnen so bestätigt.

TATC: Ist Ava nur Zyklustracker oder würdet ihr es auch als Verhütungsmittel empfehlen?

LVB: Ava ist derzeit noch nicht zur Empfängnisverhütung geeignet. Wir konzentrieren uns im Moment darauf, Frauen zu helfen schwanger zu werden. Darum berechnet unser Algorithmus ausschließlich die fruchtbarsten Tage im Zyklus. Bei einem Verhütungsprodukt würden wir jedoch gerne die Tage berechnen können, an denen es eher unwahrscheinlich (aber dennoch möglich) ist, schwanger zu werden.

Wir schauen uns das schon gerade an, aber wir kommen erst auf den Markt, wenn wir ein wirklich gutes Produkt haben. Die Vision von Ava ist, dass wir eine Begleitung sind für eine Frau durch alle Stufen ihres Lebens: Wenn sie schwanger werden will, wenn sie versucht, nicht schwanger zu werden, schwanger ist, in die Wechseljahre kommt. Die klinischen Resultate werden zeigen, ob wir das machen können oder nicht.

TATC: Bekommt ihr „Fanpost“ und wisst ihr, wie viele Babys mithilfe von Ava schon zur Welt gekommen sind?

LVB: Babies sind natürlich das Tollste für uns.  Wir sprechen inzwischen von 10.000 Schwangerschaften weltweit, täglich kommen ca. 50 dazu. Die meisten User erzählen uns von ihrer Schwangerschaft, viele davon bereits bevor sie es ihrem Partner erzählen. Wir betreuen viele verschiedene Ava Community Gruppen. Den Eintritt erhält man als Ava Nutzerin. In den Gruppen können alle Themen rund um Zyklus, Kinderwunsch, Schwangerschaft in einem diskreten und anonymen Rahmen besprochen werden. Wir erhalten aber auch viele Emails direkt an unseren Kundenservice mit einem Dankeschön und dem positiven Test als Bildanhang 🙂

TATC: Was sind deine drei Lieblingsapps?

LVB: Trello, Ava, New York Times

TATC: Welches technische Gerät muss deiner Meinung nach – neben Ava – unbedingt erfunden werden?

LVB: Ich komme gerade von einem intensiven Trip zurück – Ich wünsche mir ein Produkt, welches uns über Jetlag hinweghilft.

Vielen Dank für das Interview, liebe Lea!

Fotos: Ava 

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