19 May, 2019, 16:16

Wie nachhaltig sind Online-Käufe?

Mit einem Klick ist der Warenkorb geleert und die Pakete auf dem Weg zu uns nach Hause. Wir alle tun es. Manche mehr, manche weniger. Doch sind Online-Käufe ökologisch nachhaltiger als der persönliche Kauf in einem Geschäft?

Online-Shopping gehört für viele Menschen zum Alltag. Es werden Kleidung, Bücher und Elektroartikel gekauft, sogar die Supermärkte liefern die Einkaufe bis vor die eigene Tür. Das freut die Logistikunternehmen, so viel ist klar. Dabei können Online-Käufe definitiv nachhaltiger sein, als selbst loszufahren und die Waren vor Ort im Geschäft zu kaufen. Denn fahren wir mit dem Auto, verursacht das mehr CO2-Emissionen, als wenn wir ein Paket zugestellt bekommen. Theoretisch. Denn bei einem Paket bleibt es dann meistens doch nicht.

Retouren als unnnötige Umweltbelastung

Der/die traditionelle Online-Käufer*in kauft selten bewusst ein und bestellt lieber eine Größe mehr, um eine Auswahl zu haben. Free Returns machen es möglich. Insbesondere im Modebereich erwarten die Kund*innen, dass sie die bestellte Ware kostenfrei zurückschicken können. So ist es nicht verwunderlich, dass in einem der größten europäischen Retourenlager, das Hermes Fulfilment in der Nähe von Hamburg, auf 6500 Quadratmetern rund eine Million Retouren-Artikel gelagert und für den Wiederverand fertig gemacht werden. Millionen von Rücksendungen, die durch die Versandwege, Lagerungen und Verpackungen unnötig die Umwelt belasten.

Online-Käufe

© logostics.dhl

Online-Käufe, die auf dem Müll landen

Noch schlimmer wird es, wenn Unternehmen wie Amazon zurückgeschickte Waren gar nicht wieder versenden, sondern einfach zerstören. So deckten das ZDF Magazin Frontal21 und die Wirtschaftswoche auf, wie die Online-Plattform täglich Waren im Wert von 10.000 Euro verschrottet. Einfach, weil das Zerstören ökonomischer ist, als die Waren neu zu bewerten, neu zu verpacken, und wieder auf den Weg zum nächsten Kunden zu schicken. Ein riesiger Skandal, der zeigt wie unnötig Ressourcen verschwendet werden. Es landeten neue Smartphones, Tablets und Kühlschränke auf dem Schrotthaufen.

Der Fall von Amazon ist sicherlich der Worst Case und die meisten Onlinehändler arbeiten nicht so desaströs. Aber auch wenn die meisten Retouren nicht auf dem Müll landen, belasten sie die Umwelt unnötig. Dabei kann jede*r Käufer*in durch sein/ihr Verhalten mitentscheiden und Online-Käufe nachhaltiger machen.

Auf folgende Dinge könnt ihr achten:

  • Bestellt nicht mit Expressversand, denn dann fahren die Paketzusteller*innen oft mit unausgelasteten Fahrzeugen los. Wählt lieber den Standardversand.
  • Man glaubt es kaum, aber gerade regionale Spezialitäten können gut online bestellt werden. Das selbstgemachte Chili-Öl vom Bauernhof in der Nähe legt vermutlich einen kürzeren Weg zurück als das herkömmliche Öl im Supermarkt.
  • In ländlichen Regionen müssen Einkaufswege oft sowieso mit dem Auto zurückgelegt werden. Das belastet die Umwelt zusätzlich. Daher machen hier Online-Bestellungen manchmal mehr Sinn als weite Fahrten. In der Stadt hingegen lohnt es sich mit dem Rad loszudüsen.
  • Bewusster Konsum. Ja, ein alter Hut. Trotzdem:  Es hilft ein,  zwei Nächte über den Kauf nachzudenken. Der Warenkorb rennt euch nicht weg.
  • Es gibt mittlerweile Unternehmen, die besonders nachhaltig verpacken, wie zum Beispiel das Modelabel Armedangels, die ihre Waren komplett in Grasverpackungen versenden. Daher achtet auf ökologische Verpackungen und unterstützt nachhaltig agierende Unternehmen.
  • Der Einzelhandel freut sich, wenn ihr im Laden vor Ort vorbeischaut. Leider probieren viele die Waren im Laden an, um sie dann online für ein paar Euro billiger zu bestellen. Das belastet die Umwelt doppelt, denn ihr fahrt zum Geschäft und lasst euch dann das Paket zuschicken. Quasi doppelt schlecht fürs Umweltkonto – und auch für die lokale Wirtschaft.
  • Versucht zu Hause zu sein, wenn das Paket geliefert wird. Das verhindert unnötige Wege zum nächsten Paketshop. Oder fragt eine*n liebe*n Nachbar*in, ob sie/er eure Bestellungen entgegennimmt.
  • Schaut von wo euch das Paket zugesendet wird. Ein Badeanzug, der erst um die halbe Welt fliegen muss, ist es vielleicht nicht wert.

Wie können Unternehmen den Online-Handel ökologischer gestalten?

Da es besonders bei Kleidung, die nicht passt, zu Retouren kommt, ist es wichtig die Ware so gut wie möglich zu beschreiben. So werden unnötige Rücksendungen verhindert. Schon heute gibt es Apps, die einen virtuellen Kleiderschrank simulieren. Bisher aber eher schlecht als recht. Die Kleidung sitzt ungenau, der virtuelle Avatar gibt nicht die Wirklichkeit wieder. Dass soll sich in Zukunft ändern, beispielsweise durch 3D-Scans und Augmented Reality. So können Kund*innen ihr eigenes Foto über eine Webcam aufnehmen und in eine virtuelle Kleiderpuppe übertragen. Eine virtuelle Kleideranprobe, die ein ganz neues Shopping-Erlebnis verspricht, das im besten Fall zu weniger Retouren führt. 

Manche Unternehmen weisen ihre Kund*innen daraufhin Retouren möglichst zu vermeiden. Dieses Paket stammt vom Unterwäsche-Label Erlich.

Titelbild: unsplash.com

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