26 April, 2019, 02:20

Wenn Algorithmen Gemälde malen – Über Kunst und künstliche Intelligenz

New York. Kunstauktionshaus Christie`s. Ein Gemälde namens „Edmond de Belamy“ wird für 432.500 Dollar versteigert. Das Außergewöhnliche daran? Es stammt nicht von einer/m Künstler*in. Es ist das Ergebnis von künstlicher Intelligenz.

Selbstlernende Algorithmen, die ganze Gemälde malen? Das gibt es! Erst kürzlich haben wir von künstlich kreierten Gesichtern berichtet und wollten von euch wissen, ob ihr diese von echten, menschlichen Gesichtern unterscheiden könnt. Aber könnt ihr auch ein von Menschenhand gemaltes Bild von einem, durch einen Algorithmus erstelltes Gemälde unterscheiden? Künstliche Intelligenz ist auf den Leinwänden der Kunst angekommen.

Das Werk „Edmond de Belamy“ ist das Ergebnis eines solchen Algorithmus, der gelernt hat, wie ein/e avantgardistische Künstler*in zu malen. Programmiert hat ihn das Künstler-Kollektiv „Obvious“. Was wir beim ersten Betrachten auf das frühe 20. Jahrhundert datieren würden, stammt in Wahrheit aus der Gegenwart und nicht aus den Händen einer/s Künstler*in.

Edmond de Belamy, Bildquelle: www.obvious-art.com

Programmierte Kreativität

Jahrzehntelang studieren Künstler*innen alte und neue Meister*innen der Kunstgeschichte, die Natur, ihre Umwelt, das Leben und versuchen dabei ihren ganz eigenen, individuellen Stil zu finden. Alte Meister*innen erkennen wir heute an ihrer Art Gemälde aufzubauen, ihren Einsatz von Farben und ihrer einzigartigen Pinselführung. Wie ist das bei künstlicher Intelligenz? Sie hat keinen einzigartigen Duktus – zumindest keinen eigenen. Künstliche Intelligenz studiert auch die Kunstgeschichte und Algorithmen werden mit Bildern von Rembrandt trainiert. Das Ergebnis sind erschreckend gute und zum Verwechseln ähnliche Werke. Aber irgendetwas fehlt. Es ist die Kreativität. Sie ist programmiert und erlernt, aber beinhaltet eben keine menschliche Kreativität.

Kunst und künstliche Intelligenz – schafft die Kunst sich ab?

Kunst lebt von ihren Schaffenden. Von ihren Erfahrungen, von ihrem Leben, ihrer Kreativität. Kunst lebt von ihrem Pinselstrich. Künstliche Intelligenz kann lernen einen Pinselstrich nachzuahmen. Sie kann sich selbst beibringen wie ein/e Künstler*in aus der Renaissance zu malen oder wie ein/e Kubist*in zu zeichnen. Sie wird aber nie selbst ein/e Künstler*in sein, kann nur imitieren.

Trotzdem schafft das künstlich geschaffene Werk mit seinem Auktionsergebnis einen neuen historischen Moment. Was von den Expert*innen auf einen Wert von maximal 100 Dollar geschätzt wird, übersteigt diesen im Endeffekt um ganze 4320%. Für 432.500 Dollar wechselt das Kunstobjekt seine/n Besitzer*in. Damit hat dieses Werk sogar Künstler wie Bansky und Koons überboten.

Die Signatur der Künstler*in

Mit einer Signatur steigt und fällt oftmals der Wert eines Kunstwerks. Aber wer signiert ein Gemälde, wenn es gar keine/n wirkliche/n Künstler*in gibt? Vielleicht beginnt genau hier die eigentliche Kunst. Unten am Bildrand lesen wir „min G max O x [LOG (D(X))] + 2 [log (1-D(G(2)))]“. Das Kollektiv hat sich dazu entschieden mit einer Zeile aus dem Programmcode zu „unterschreiben“ und macht somit ihre Zeichen für alle zugänglich. Damit sind sie aber nicht die Ersten, denn sie selbst haben den Code gar nicht programmiert. Sie haben zugegriffen als Robbie Barrat seinen Code im Internet für alle öffentlich zugänglich machte. Kein Wunder also, dass auch hier das Problem der Urheberschaft nicht lange auf sich warten lässt. So sei Code-Programmierer und Algorithmus-Künstler Barret nur mit der Verwendung seines Codes einverstanden gewesen, wenn er bei sogenannter Neukunst eine namentliche Nennung erhält. Fehlanzeige!

Programmierte Algorithmen stellen momentan die Kunstwelt auf den Kopf, beeinflussen den Kunstmarkt und stellen neue Auktions-Rekorde auf. Die Frage aber, ob künstliche Intelligenz die Kunst abschaffen wird, diese können wir mit einem klaren Nein beantworten.

Wie gefällt euch die künstlich erschaffene Kunst?

Vorschaubild: © Obvious Art

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