16 September, 2019, 22:15

Was passiert, wenn der digitale Wandel vorrangig von Männern vorangetrieben wird?

Frauen sind noch immer deutlich unterrepräsentiert in IT-Berufen. Dabei steigt die Nachfrage nach IT-Fachkräften stetig. Ein digitaler Wandel, der vor allem von Männern vorangetrieben wird? Wir fragen uns, was passiert, wenn vorrangig Männer technologische Innovationen entwickeln und Frauen in der Tech-Branche außen vor bleiben.

Frauen in der Tech-Branche

Lediglich 16 Prozent der Beschäftigten in IT-Berufen deutschlandweit sind weiblich. Dabei gibt es die Diskussion – mehr Frauen in IT-Berufen – schon seit Jahrzehnten. Trotzdem ist die Branche weiterhin von Männern dominiert, die verstaubte Geschlechterrollen fortführen. Eine Studie von Ivanti beschäftigte sich letztes Jahr genau mit diesem Thema und befragte weltweit 500 Frauen aus der Tech-Branche. Das Ergebnis: Frauen werden klar benachteiligt, indem sie weniger verdienen, ihre Vorschläge öfter abgelehnt werden und männliche Kollegen den Vorzug bekommen, wenn es um Beförderungen geht. 

Sarah Lewis, Direktorin für Field Marketing & UK Women in Tech Ambassador bei Ivanti, erklärt: „Es ist zwar schön zu sehen, dass heute mehr Frauen in der Technologiebranche arbeiten als je zuvor. Allerdings unterstreicht der Bericht auch, was wir schon seit Jahren immer wieder als Stereotyp hören: Es muss mehr getan werden, um die Geschlechtervielfalt in der Technologie zu fördern. Frauen müssen ernst genommen und genauso bezahlt werden wie ihre männlichen Kollegen. Erst dann kann der Technologiesektor seine tatsächliche Kraft und Vielfalt ausspielen.“

Frauen in der Tech-Branche

Übrigens, die erste Programmiererin der Geschichte war 1843 Ada Lovelace. Bis heute gilt sie als Pionierin. © Ilya Pavlov/unsplash.com

Innovationen von Männern für Männer?

Technische Innovationen können nur dann ihr wahres Potenzial entfalten, wenn sie auch auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind. Was passiert, wenn fast nur Männer in einem Entwicklerteam sitzen, konnte man 2014 bei Apple beobachten. Apple brachte damals die Health App auf den Markt. Eine App, die wirklich alle Körperfunktionen aufzeichnete – von Blutdruck, Puls, Gewicht, Körperfettanteil bis hin zur Flüssigkeitszufuhr. Aber Moment mal, da fehlt doch was? Das Entwicklerteam hatte tatsächlich vergessen, dass die Hälfte der Bevölkerung menstruiert. Es gab keinen Zyklus-Tracker in der App. Apple äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen, bis ein Jahr später die Option Reproduktionsmedizin hinzugefügt wurde. Hier können nun in sechs Kategorien alle wichtigen Daten gesammelt werden. 

Eine weitere Benachteiligung von Frauen gab es zu Beginn der Entwicklung von Stimm-Erkennungssoftware. Diese hatte immer wieder Probleme Frauenstimmen zu erkennen. Woher kam es, dass beispielsweise beim Autofahren das Navigationsgerät viel schlechter auf eine Frauenstimme reagierte, als auf eine männliche Stimme? Reden Frauen undeutlicher oder zu leise? Nein, definitiv nicht. Der Grund dafür lag in der Entwicklung der Software, die vor allem mit und für Männerstimmen designt wurde. 

Eine andere lebensentscheidende Technologie in der Automobil-Branche arbeitete bis 2011 vor allem mit männlich-genormten Crash-Testdummies. Bei Dummies mit einer Größe von 1,75 Metern und rund 78 Kilogramm Gewicht fallen viele Frauen einfach durchs Raster, wodurch die Unfallverletzungsgefahr enorm steigt. Wie konnte es sein, dass die Automobilhersteller jahrzehntelang Sitze, Airbags, Gurte – das gesamte Sicherheitskonzept eines Autos – nur auf männliche Maße abstimmten? 

Werden Innovationen von Männern für Männer gemacht? © Lee Campbell/unsplash.com

Warum wir mehr Frauen in der Tech-Branche brauchen

Was würde also passieren, wenn mehr Frauen in der Branche tätig werden würden? Es gäbe automatisch mehr Vorbilder für junge Mädchen, sich ebenfalls mit Technologie zu befassen. Denn schon im Kindesalter fängt es an, dass dem weiblichen Geschlecht der Zugang erschwert wird. Technik nur für Jungs? So ein Quatsch. Deshalb sind weibliche Vorbilder wichtig, damit junge Mädchen sich mit ihnen identifizieren können und sich bestärkt fühlen, ihrem Interesse an Technologien nachzugehen.

Auch später als Berufseinsteigerinnen sind Vorbilder, und viel mehr noch Mentorinnen, hilfreich um auf der Karriereleiter aufzusteigen. Je mehr Frauen es in der Tech-Branche gibt, desto mehr können sie sich gegenseitig unterstützen. Und das ist ausschlaggebend dafür, dass zukünftige, technologische Innovationen für alle Menschen von Vorteil sind und für alle Geschlechter mitgedacht werden. Mittlerweile gibt es einige Initiativen, die sich der Förderung von Frauen in der Tech-Branche widmen. Die Geekettes beispielsweise haben eine Plattform geschaffen, um Frauen zu vernetzen und gezielt durch Mentorinnentraining zu fördern. Ihre Mission:

We believe that the more women get involved with tech design, development and leadership, the more successful and diverse our companies and products will be in the future.

Wir sind also alle gefragt, die Vielfalt unserer Gesellschaft auch in der Tech-Branche abzubilden. Denn nur so werden wir Innovationen erleben, die für alle relevant sind und am Ende vielleicht sogar Leben retten.

Auch wir stellen euch regelmäßig tolle Frauen aus der Tech-Branche vor, um Vorbilder zu schaffen, wie zum Beispiel Rashi Khurana, die als Entwicklerin bei Shutterstock arbeitet. Einen großen Überblick über mögliche neue, und alte Rolemodels findet ihr ebenso hier.

Wusstet ihr bereits, dass Frauen bei Innovationen innerhalb der Tech-Branche benachteiligt werden?

Titelbild: © NESA by Makers/unsplash.com

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