20 August, 2019, 14:50

Technische Lösungen für den Klimawandel

Zu leugnen ist es nicht mehr, auch wenn einige obskure Wissenschaftler*innen es immer noch versuchen, aber der Klimawandel ist auf dem Vormarsch und längst ist klar, dass Lösungen hermüssen. Diese sehen zumeist sehr unterschiedlich aus, münden aber immer häufiger in hochkomplexe, technische Unternehmungen, die unsere Erde noch vor dem Schlimmsten befahren sollen.

Was ist der Klimawandel überhaupt?

Der Klimawandel beschreibt im Grunde das Phänomen, dass sich unsere Erde immer weiter erwärmt und in einigen Jahren diese Temperaturzunahme so vorangeschritten sein wird, dass sich unsere Atmosphäre drastisch verändert. Forscher*innen sprechen hier von einem kritischen Punkt, der bei zwei Grad Celsius liegt. Die Atmosphärenänderung wiederum führt dazu, dass sich der gesamte Planet verändern wird. Festes Packeis schmilzt. Die Ozeane kühlen infolgedessen immer mehr aus und die für uns lebensnotwendigen warmen Meeresströmungen, die u.a. unser Wetter regulieren, verändern sich. Die Folge: Dürren, Überschwemmungen, aber auch Kälteperioden und verheerende Stürme.

Schon jetzt gehen große Mengen Eis der Antarktis immer weiter zurück. Die Polkappen schmelzen. Gletscher ziehen sich zurück und geben große Mengen Eis frei. © Heather Shevlin

Was man gegen den Klimawandel tun kann

Forscher*innen auf der ganzen Welt versuchen seit Jahren Lösungen zu finden, um die empfindliche Atmosphäre wieder in Balance zu bringen und das voranschreitende Erwärmen der Erde zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Denn der Klimawandel ist menschengemacht. Es ist längst bewiesen, dass vor allem durch unsere Energieindustrie und die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Mobilitätsindustrie und den Landwirtschaftssektor immer mehr dazu beigetragen wird, dass die Erde sich weiter erwärmt. In diesen Bereichen kommt es zu einem immensen Ausstoß von sogenannten Klimagasen – allen voran Kohlenstoffioxid (CO2), das – zusammen mit anderen Gasen – dafür sorgt, dass eine Art „Mantel“ um unsere Erde gelegt wird. Die Sonnenenergie wird nicht mehr einfach zurück ins Weltall reflektiert, sondern verbleibt in unserer Atmosphäre und wärmt diese „künstlich“ auf. So die Kurzversion. Doch was kann nun dagegen getan werden?

Technologische Lösungen auf dem Vormarsch

Das sogenannte Climate Engineering, oder auch Geoengineering, also das gezielte, technische Eingreifen in unser Klima, schreitet immer weiter fort. Forscher*innen fragen sich, wie kann die Erderwärmung mit technischen Mitteln im großen Stil aufgehalten werden? Denn eins steht mittlerweile auch fest, die sogenannten Klimagase können Jahrhunderte in unserer Atmosphäre verharren ohne abgebaut zu werden, sodass selbst die Reduktion von Emissionen nicht zum Einhalten des Klimawandels führen könnte.

Ansätze des Geoengineerings betreffen zum Beispiel die extreme Aufforstung von Wäldern. Durch diese wiederum sollen große Mengen Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre gebunden werden. Außerdem werden bereits, teilweise vielleicht auch nicht ganz ernstzunehmende, Lösungen diskutiert, überdimensional große Spiegel im Weltraum zu platzieren, um die Sonneneinstrahlung künstlich umzulenken, was wiederum zur Abkühlung unserer Erde führen könnte. Eine solche Beeinflussung der Sonneneinstrahlung nennt man Solar Radiation Management (kurz SRM).

Kritik am Geoengineering

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Mittlerweile melden sich auch kritische Stimmen zum Climate Engineering, da zum einen der experimentelle Versuch unser Klima zu beeinflussen noch viel zu unausgereift scheint und die Wissenschaft noch gar nicht absehen kann, welche mittel- und langfristigen Folgen das Eingreifen in den natürlichen Rhythmus haben wird. Der Meteorologe und Klimaexperte Clemens Simmer von der Uni Bonn sagt dazu: „Wir brauchen genauere Klimamodelle, um mögliche Chancen und Risiken einer gezielten Veränderung unserer Atmosphäre abwägen zu können.“

Zum anderen wird aber vor allem auch gewarnt, dass solche Experimente dafür genutzt werden könnten, um sich in Krisensituationen Vorteile zu verschaffen. Soll heißen, auch ein militärischer Einsatz bzw. Missbrauch ist nicht ausgeschlossen. Die Carnegie Climate Geoengineering Governance Initiative (C2G2), eine Geoengineering-Initiative von diversen Wissenschaftler*innen aus New York, warnt davor, dass es keine konkreten Regeln gibt und der Einsatz dieses neuen Forschungsfeldes deswegen umstritten sei. Außerdem könnten solche neuen Technologien bewusst genutzt werden, um Länder entsprechend auszubeuten oder reiche Menschen noch einflussreicher zu machen, weil diese sich zum Beispiel den Einsatz von SRM leisten können. All dies spricht eher für eine Destabilisierung unserer Erde als für eine wirkliche Rettung.

Das Geoengineering als solches müsste vor allem im großen Stil vonstatten gehen, um einen wirklichen Effekt erzielen zu können. Dies wiederum beträfe große Landflächen, in denen zum Beispiel keine Nahrung mehr angebaut werden könnte. Wer bestimmt nun, welchen Ländern was zusteht?

Welche Technologien bieten sich dann noch an?

Groß besprochen wurden immer wieder sogenannte Plankton-Projekte. Hier plädieren Wissenschaftler*innen dafür große Mengen Eisensulfat ins Meer zu führen. Damit gedüngt würden Algen sich rasch vermehren, aufblühen, große Mengen CO2 aufnehmen, zerfallen und dann auf den Meeresboden absinken. Fast zu schön, um wahr zu sein. Deswegen gibt es auch hieran natürlich einen Haken. Die bisherigen Experimente zeigen, dass sich die Algen viel weiter oben zersetzen als angenommen und somit das aufgenommene Kohlenstoffdioxid wieder in die Atmosphäre abgegeben wird. Außerdem weiß man bis heute nicht, was der immense Anstieg an Algen im Ozean mit sich bringen würde und inwieweit das Ökosystem davon beeinträchtigt würde.

Auch über die Speicherung von CO2 in Gesteinsschichten wird gesprochen. Expert*innen finden aber tatsächliche Recycling-Lösungen von Kohlenstoffdioxid durchaus noch besser. Verständlicher Weise, denn wer weiß, wie das gespeicherte CO2 irgendwann wieder aus der Erde tritt? Schon jetzt treten Schwierigkeiten mit größeren Mengen gespeicherten Kohlenstoffs in den tauenden Permafrostböden Sibiriens auf. Da ist Recycling und damit die vollständige Eliminierung von Kohlenstoff deutlich attraktiver. „Air to Fuels“ nennen Forscher*innen diesen Ansatz und sie können schon jetzt neuen synthetischen Treibstoff herstellen. Aktuell stehen die Forschungen noch ganz am Anfang und jede aufgefangene Tonne CO2, die recycelt werden kann, stellt einen immensen Kostenfaktor dar. Es bleibt also abzuwarten, wie sich diese Experimente weiterentwickeln und ggf. irgendwann markttauglich werden.

Ob also diese Technologien im großen Stil, und Geoengineering im Besonderen, langfristig zum Erhalt unseres Planetens und seiner derzeitigen Atmosphäre beitragen werden, bleibt abzuwarten. Viele dieser Ansätze sind sicherlich noch immer spekulativ und unter Laborbedingungen geschaffen. Doch wer weiß, wo die nächsten Jahre hinführen und wie viel dringlicher wir handeln müssen. Je näher das Überschreiten der Zwei-Grad-Grenze rückt, desto eher werden wohl Lösungen und Technologien ausprobiert, die für uns derzeit noch nach weit entfernter Science-Fiction-Theorie klingen.

Titelbild: © Diana Parkhouse

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