20 October, 2019, 14:15

Smart Home – ist das wirklich so smart?

Mittlerweile lässt sich vor fast jeden Gegenstand das kleine Wörtchen „smart“ setzen: Smart Kühlschrank, Smart Watch, Smart Zahnbürste, Smart TV. Aber ist es wirklich so smart alles miteinander, und vor allem mit dem Internet, zu verbinden? 

Noch nie war unsere Welt so sehr miteinander vernetzt wie heute. Dabei stehen wir immer noch am Anfang des Internet of Things (IoT). Einer Welt in der alle Dinge miteinander und mit dem Internet vernetzt sind. Man unterscheidet zwischen dem IoT für die Industrie und dem verbraucherorientierten Internet of Things (Internet der Dinge). Letzteres kennen wir alle, es handelt sich um Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Computer, Sensoren, aber auch Kraftfahrzeuge. Jeder Gegenstand, der über das Internet „angesprochen“ werden kann und durch angeschlossene Informationssysteme gesteuert wird, zählt zu den Internet of Things.

Kevin Ashton, ein britischer IT-Ingenieur, hat Ende der Neunziger den Begriff „Internet der Dinge“ geprägt. Damals wollte er eine technische Lösung finden, um den Verkauf einzelner Produkte zu verfolgen. Bedeutet, wenn ein Produkt im Laden fast ausverkauft ist, werden automatisch neue Produkte angefordert, sodass es theoretisch nie zum ungewollten Ausverkauf kommt. Ashton bezog sich also vor allem auf die Industrie und den Einzelhandel, sah aber schon damals, dass die Technologie für uns Menschen auch im privaten Bereich von Vorteil sein kann. In einem Interview mit dem Tagesspiegel malt sich der Ingenieur eine Zukunft aus, in der Arbeit von smarten Robotern erledigt wird, alle Menschen ein Grundeinkommen erhalten und anstatt zu arbeiten, Zeit haben um schlechte Bilder zu malen und ihre Kinder großzuziehen. Eine wunderbare Zukunftsvorstellung, die mit der heutigen Realität noch wenig gemein hat.

Hilfe, Alexa hört mit

Mit dem Smart Home vebinden wir vor allem Sprachassistenten, die bei vielen Konsument*innen (noch) ein unbehagliches Gefühl auslösen. Wann wird mitgehört? Was passiert mit meinen Daten? Fragen, die wir uns zurecht stellen sollten. Auch wenn das Smartphone theoretisch ebenfalls mithören könnte (Hallo Siri!), verunsichern uns Alexa und Co. doch mehr. Ein Fall sorgte jetzt besonders für Aufsehen: Ein Amazon-Kunde forderte nach DSGVO seine Daten an, die das Unternehmen gespeichert hatte. Nach zwei Monaten erhielt der überraschte Kunde höchst private ZIP-Dateien mit fremden Sprachdateien, die Alexa aufgezeichnet hatte. Also Gespräche aus Schlaf-, Wohn- und  Badezimmer von fremden Personen. Daraufhin kontaktierte er Amazon, die sich auf die Nachricht nicht zurückmeldeten. Lediglich der Link, der zu den Daten führte, konnte nicht mehr abgerufen werden. Der Kunde hatte die Daten jedoch schon abgespeichert und überlies diese dem Magazin c’t. Ein Datenskandal, der unter den Tisch gekehrt werden sollte? Nach Recherchen von c’t meldete sich Amazon zurück und betonte, dies sei ein Einzelfall gewesen. Als Entschädigung sendete das Unternehmen dem eigentlichen Echo-Besitzer, dessen Daten weitergegeben wurden, eine Prime-Mitgliedschaft sowie – zwei weitere Echo-Lautsprecher. Na, super.

Smart Home

Amazon Echo Lautsprecher. Bildquelle: unsplash.com

Was heißt das für die Nutzer*innen?

Alle Daten, die von Sprachassistenten wie Alexa, Cortana, Siri und dem Google Assistant gesammelt werden, landen in einer Cloud. Dort werden die Daten ausgewertet, sodass der Sprachassistant eure Vorlieben und Bedürfnisse kennenlernt. Wann steht ihr morgens auf? Wollt ihr die Wetter- oder lieber die Stauvorhersagen hören? Was ist eure Lieblingsband? Wer diese angenehmen Vorteile nutzen will, sollte folgende drei Aspekte beachten:

  1. Stellt euren Sprachassistenten nicht in der Nähe von Rundfunk- und Fernseh-Geräten auf. Der Stern berichtete über folgenden Vorfall in einer Nachrichtensendung in den USA. Dort sprachen zwei Moderator*innen von einem kleinen Mädchen, dass über Alexa ein Puppenhaus orderte. Leider wiederholte das Moderator*innen-Duo den Sprachbefehl „Alexa, order me a dollhouse!“, woraufhin sich in vielen Haushalten tatsächlich Alexa einschaltete und zuhauf Puppenhäuser bestellt wurden. 
  2. Achtet darauf, immer alle Fenster zu schließen, sobald ihr das Haus verlasst. Sonst kann es passieren, dass von außen jemand ruft „Alexa, öffne die Tür.“ Natürlich nur, wenn ihr eure Tür mit dem System verknüpft habt.
  3. Am besten schaltet ihr das Mikrophone aus, wenn ihr es nicht nutzt. Das ist natürlich umständlich, da ihr den Sprachassistenten nicht per Sprachbefehl ansprechen könnt, sondern erst das Mikrophone einschalten müsst. 

Smart Home – Komfort vs. Sicherheit

Ein Zuhause, in dem alles wie von selbst geschieht. Der Kühlschrank ordert Sojamilch nach, sobald diese leer ist. Auf Knopfdruck könnt ihr Waschpulver bestellen oder die Heizung regulieren, obwohl ihr gar nicht daheim seid. Es gibt viele smarte Dinge, die uns das Leben erleichtern. Doch die Verbindung zum Internet, beziehungsweise Zugang zum heimischen Netz, birgt auch Gefahren. Dabei versprechen die Unternehmen mehr Sicherheit durch Smart Homes. Die Vorfälle der letzten Jahre zeigen jedoch, dass es oft eklatante Sicherheitslücken gibt. So können Bluetooth-Schlösser einfach gehackt, Viren ins heimische Netz eingeschleust und Überwachungskameras öffentlich eingesehen werden.

Smart Home

Ein SmartHome Sicherheits Paket vom Anbieter Innogy. Bildquelle: innogy.com

Problem sei häufig ein fehlendes Passwortmanagement und mangelhaft umgesetzte Verschlüsselung. Sobald ein smartes Gerät gehackt wurde, können theoretisch auch andere Objekte infiltriert werden, denn alles ist miteinander vernetzt. Expert*innen sind sich einig, dass Hardwarehersteller und Serviceanbieter dem Thema Sicherheit nicht die erforderliche Priorität einräumen. Ein AV-Test von sieben Smart Home Konzepten ergab, dass lediglich drei als sicher eingeordnet wurden, vier hingegen mangelhaft sind. 

Welche Szenarien sind denkbar?

Es könnte passieren, dass Angreifer*innen die heimische Heizungssteuerung kapern und runter regeln, sodass im Winter die Wasserleitungen einfrieren und platzen. Ein weiteres Horroszenario – Hacker übernehmen ein smartes Gerät und greifen von dort alle weiteren verbundenen Geräte an. Diese könnten gesperrt und nur gegen Geld wieder freigelassen werden. Quasi eine Geiselnahme der IoT-Geräte. Wahrscheinlicher wäre, dass Einbrechende anhand der Daten sehen, wann man Zuhause ist und wann nicht. Ein großes Sicherheitsmanko sei vor allem die oft nicht verschlüsselte Kommunikation, die es Tätern allzu einfach macht, deshalb ist es wichtig sich vor dem Kauf eines Smart Home-Programms zu informieren. Hat der Anbieter ein ausreichendes Sicherheitskonzept?  

Und was ist mit meinen Daten?

Gerade der Datenmissbrauch, den alle Unternehmen natürlich von sich weisen, steht konträr zum geltenden Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Der Smart TV, der die Sehgewohnheiten der Nutzer*innen weiterleitet, das digitale Buch mit Lesesynchronisation, welches Amazon und Co. ermöglicht nachzuvollziehen was, und vor allem wie, gelesen wird. Big Data lässt grüßen. Und natürlich Smart Home Anbieter, die anhand der Daten erkennen, ob jemand zuhause oder verreist ist, und wann welche Geräte verwendet wurden. Bisher vertrauen wir darauf, dass diese Daten nicht missbraucht werden, dennoch ist es möglich.

Google

Was passiert mit unseren Daten?

Das Fazit

Viele Anbieter*innen von IoT-Geräten befassen sich zu wenig mit entsprechenden Sicherheitskonzepten, wodurch für die Nutzenden ein erhebliches Risiko entsteht. Daher sollte es gut überlegt sein, welche Geräte im eigenen Heim mit smarten Funtkionen ausgestattet werden.

Teaserbild: unsplash.com

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