26 April, 2019, 06:36

Shareconomy: Wohnraum teilen

Ein großer Teil der Sharing Economy beschäftigt sich mit Thema Wohnen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren die Mieten weltweit immer weiter angestiegen sind. Viele Menschen sich kaum noch Wohnungen in den Innenstädten der Metropolen leisten können und viele darauf angewiesen sind, dass man sich Wohnraum teilt. In Berlin haben sich in den letzten sieben Jahren die Mieten fast verdoppelt. Zahlte man 2011 noch 6,17 Euro pro Quadratmeter für eine 60-Quadratmeter-Wohnung sind es heute bereits durchschnittlich 11,69 Euro.

Auch die Tourismusbranche hat erkannt, dass Homesharing ein attraktives Wirtschaftsgut ist und immer mehr Menschen persönliche Urlaube und Begegnungen bevorzugen. Im Grunde eine schöne Idee, würde sie nicht völlig konträr zu dem Mietenwahnsinn gehen. Denn gerade Online-Platttformen wie Airbnb sind maßgeblich daran beteiligt, dass sich unsere Innenstädte verändern.

So haben Investor*innen den Trend erkannt und viele Wohnungen in beliebten Städten und Regionen wie Barcelona, Mallorca, aber auch Berlin und Hamburg wurden aufgekauft und luxus-saniert, sodass sich mit dem Vermieten von Ferienappartements mehr Geld verdienen lässt als würde man es einfach regulär an die Bewohner*innen der Stadt weitervermieten.

In der ZEIT wird der SPD-Fraktionsgeschäftsführer in Hamburg-Mitte Torben Wiencke wie folgt zitiert: „Wir stellen fest, dass inzwischen Wohnungen komplett gekauft und gemietet werden, einzig zu dem Zweck, sie über solche Portale zu vermieten.“ Für viele Gegenden eine schwierige Abwärtsspirale, da mit dem Tourismus oftmals auch weitere Probleme kommen.

Was sind also gute Alternativen, um die Vorzüge der Sharing Economy im Bereich Wohnen wirklich nutzen zu können? Wir haben uns ein paar technik- bzw. onlinebasierte Konzepte etwas näher angeschaut.

© Kinga Cichewicz

Homey Homesharing

Bei Homey Homesharing wird man zum HomeY. Hier werden Wohnungen getauscht anstatt sie teuer zu vermieten. Wenn du auf der Suche nach einer Bleibe in einer anderen Stadt bist oder günstig und persönlich Urlaub machen willst, findest du hier vielleicht einen Sharing-Partner. Das Prinzip soll ganz simpel sein, anmelden, Wohnung suchen, HomeY anschreiben und hoffen, dass er oder sie auch tauschen möchte. Ein tolles Konzept, was allerdings noch ein paar mehr Wohnungen bräuchte, um eine wirkliche Alternative zu sein.

Homesharing Berlin

In Berlin gelten mittlerweile andere Gesetze und für Privatpersonen ist es schwieriger geworden den eigenen Wohnraum eine zeitlang unterzuvermieten. Die Gesetze sind aktuell leider noch so gemacht, dass nicht wirklich unterschieden wird, ob man im großen Stil Geld mit dem Homesharing-Angebot verdient oder wirklich nur die eigenen Kosten deckt, wenn man eben nicht selbst in der Wohnung wohnt. Dagegen engagiert sich Homesharing Berlin. Mit ihrer Plattform wollen sie private Homesharer zusammenbringen und zeigen, dass das Konzept des Homesharings im Kern ein gutes ist. Sie teilen persönliche Geschichten und bewegen uns mitzumachen.

Housy

Housy möchte die Wohnungssuche revolutionieren. Viele von uns kennen das Leid eine neue Wohnung suchen zu müssen und wissen, wie schwierig die Situation, gerade in Großstädten, ist. Hier kommt Housy ins Spiel. Über die Plattform sucht man nicht selbst nach einer Wohnung und einer/m Vermieter*in, sondern lässt sich von diesen finden. Einfach Profil erstellen und warten, dass die Traumwohnung zu einem kommt. Keine Provision. Keine Massenbesichtigungen. Kein Stress. Besichtigungstermine gibt es einfach per Mausklick und die Plattform wählt anhand eines Matching-Algorithmus aus. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Probier’s einfach mal aus!

© Housy

Couchsurfing

Couchsurfing ist im Grunde genommen ein wenig die Gegenbewegung zu Airbnb. Denn hier werden die Wohnungen nicht für viel Geld angeboten und damit vermeintliche Local-Atmosphäre vermarktet. Hier findet man echte Locals, denn man schläft bei ihnen auf der Couch. Theoretisch. Mittlerweile werden natürlich auch Gästezimmer & Co. angeboten. Aber der Sinn bleibt der gleiche. Geh auf Reisen. Triff Locals. Hab einen kostenloses Schlafplatz und entdecke die Stadt. Sicherlich einer der spannendsten Wege, um sich Wohnraum zu teilen. Couchsurfing ist auch als App für Android und iOS verfügbar!

© The Creative Exchange

Tauschwohnung

Auch bei Tauschwohnung geht es um einen neuen Ansatz Wohnraum zu teilen. Hier kann man die eigene Wohnung einstellen und sie zum Tausch für eine andere anbieten. Wenn alles passt, werden so ganz einfach die Wohnungen untereinander getauscht. Ohne all das Wohnungssuch-Drama! Tauschwohnung legt Wert darauf zu betonen, dass es sich hierbei um ein dauerhaftes Tauschen handelt und somit eine echte Alternative für den überfüllten Wohnungsmarkt bietet. Und das alles komplett kostenlos!

Wohnen gegen Hilfe

Auch diese Entwicklung ist dem überteuerten Wohnungsmarkt geschuldet, tut aber auch wirklich etwas Gutes dabei. Es gibt mittlerweile diverse Portale, die Wohnen gegen Hilfe anbieten. Was heißt das konkret? Gerade im Alter leben immer mehr Menschen in viel zu großen Wohnungen, die sie, verständlicher Weise, aber nicht einfach aufgeben möchten. Sich alleine darum zu kümmern, ist aber meist nicht mehr möglich. Hier kommen schöne Homesharing-Ideen zum Tragen. So können zum Beispiel Studierende günstig wohnen und im Gegenzug Senior*innen im Alltag unterstützen. Auch komplette Minijobs im Gegenzug zu Wohnraum sind denkbar. Angebote findet man zum Beispiel bei Plus WG’s oder Mitwohnen.org.

Titelbild: © Wes Hicks

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