20 August, 2019, 14:47

Pallavi Gujrati: „Als ich nach Europa gekommen bin, war ich von der massiven Gender Gap in der Tech-Branche total überrascht.“

Pallavi Gujrati ist Entwicklerin bei Peakon. Das dänische Unternehmen hat die Vision die Arbeitswelt grundlegend zu verändern und sowohl Mitarbeiter*innen als auch Führungskräften wertvolle Tools an die Hand zu geben, um gemeinsam als Team, die eigene Firma stärker nach vorne zu bringen. Pallavi ist eine erfahrene Frontend-Entwicklerin mit viel Erfahrung in der Informationstechnologie- und Dienstleistungsbranche. Ihren Bachelor hat sie 2011 an der University of Pune in Indien gemacht. Nach Stationen bei L&T Infotech in Kopenhagen und Evermade in Helsinki ist sie nun Marketing Engineer bei Peakon in Kopenhagen.

Wir haben mit Pallavi über ihren Werdegang, die Herausforderungen als Frau in der Tech-Branche und die Entwicklungen der digitalen Welt gesprochen.

Was ist für dich das Faszinierende am Thema Webentwicklung?

Pallavi: Es ist ein essentieller Teil der Digitalisierung und hat die Art, wie wir denken, handeln und die Welt sehen, verändert. Richtig eingesetzt, hat Webentwicklung das Potential die Dynamik des Alltags vieler Menschen zu verbessern. Onlineplattformen bestärken Menschen darin, die Informationen, die sie suchen, sofort zu finden. Sie machen das Leben einfacher und effizienter. Außerdem befähigt es Unternehmen dazu die eigenen Werte, die Unternehmenskultur und die eigene Dienstleistung an ein großes Publikum heranzutragen. Ich bin stolz und begeistert bei diesem Herzstück der Digitalisierung mitmachen zu können. Ich freue mich auf das, was vor uns liegt.

Seit wann wusstest du, dass du in der Tech-Branche arbeiten möchtest?

Ich liebe es Probleme zu lösen – von einem kleinen Puzzle bis hin zu richtig großen Herausforderungen. Für mich ist ein großer Part der Tech-Branche die Problemlösung und glücklicherweise begegne ich immer wieder neuen Herausforderungen, die mich pushen noch mehr zu lernen.

Bei Karrierebeginn traf ich zum Glück auf die richtigen Leute, die mir Einblicke und Perspektiven gegeben haben, wohin sich die Tech-Industrie bewegt. Das hat mich fasziniert. Ich wurde neugierig und wollte unbedingt diese Branche erkunden. Also fing ich an diesen Weg hin zur Ingenieurin zu verfolgen.

Kannst du uns kurz von deinem bisherigen Karriereweg erzählen?

Direkt nach meinem Abschluss habe ich angefangen als Software Engineer zu arbeiten. In meiner ersten Firma, Larsen & Toubro Infotech (LTI), habe ich fünf Jahre gearbeitet. Dieses Unternehmen wurde bereits zu Kolonialzeiten von zwei dänischen Ingenieuren gegründet. Ich fing dort als Trainee an. Ich lernte verschiedene Programmiersprachen, hatte aber immer eine Schwäche für Front-End- und Webentwicklung. Ich bekam die Möglichkeit als Webentwicklerin zu arbeiten und in diesem Bereich weiter zu wachsen. In meinen ersten drei Jahren arbeitete ich mit vielen Kund*innen aus den verschiedensten Branchen aus der ganzen Welt.

Während dieser Zeit rief mich einer meiner Manager an und erzählte mir, dass es eine berufliche Möglichkeit in Dänemark gibt, da ein Kunde gerade eine Frontend-Entwicklerin und Team-Koordinatorin suchte. Ich sagte zu. Ich arbeitete dort für zwei Jahre und war von der skandinavischen Arbeitskultur total beeindruckt. Also entschied ich mich, noch mehr über die nordische Arbeitswelt herauszufinden. Ich fand einen Job bei einem tollen Start-up in Finnland, in dem ich ein paar Monate arbeitete. Ich entschied mich aber wieder zurück nach Dänemark zu gehen und letztendlich bei Peakon anzufangen.

Foto: © privat

Was machst du dort genau?

Ich bin die erste Marketing-Ingenieurin bei Peakon. Mein Job ist es, das zu bauen, wie Peakon im Web aussieht, sich anhört und anfühlt. Ich sitze genau zwischen dem technischem Bereich und dem Marketing, was eine sehr besondere Position ist. Es gibt so viel zu lernen in dieser Rolle, da ich daran mitarbeite sicherzustellen, dass das Ergebnis einen positiven Effekt auf unsere Unternehmenswerte hat.

Ein großer Teil meiner Arbeit ist Coden, Analysieren und Ideen liefern – von der Entwicklung einzelner Webseiten bis hin zur Wartung der Marketing-Site. Außerdem arbeite ich auch auf der technischen Seite des Controllings, was uns dabei hilft potentielle Kundenkontakte zu entdecken. Wir optimieren ständig unseren analytischen Ansatz, um mehr relevante Daten auswerten zu können und um zu verstehen, wie sich die Nutzer*innen verhalten und was für sie besser funktioniert.

Was magst du an deiner Arbeit am liebsten?

Ich war schon immer ein Teamplayer und habe es geliebt mit anderen zusammen zu arbeiten. Seit ich hier bin, habe ich den Vibe bei Peakon bewundert. Mir macht es Spaß genau diesen Vibe weiterzutragen und unser Produkt zu stärken, indem ich für die Werte eintrete, für die wir stehen. Einer dieser Werte ist zum Beispiel daran zu glauben, ein inklusives und sicheres Umfeld für alle zu schaffen, in dem jede*r er*sie selbst und mehr sein kann – sowohl bei der Arbeit als auch im Leben. Das Motto lautet „Be you, be more“.

Kannst du bestimmte Unterschiede zwischen Women in Tech in Indien und Europa ausmachen?

Ich habe mitbekommen, dass Engineering bzw. technische Berufe keine besonders beliebte Ausbildung unter den Frauen in Europa ist. Als ich hierher gezogen bin, war ich von der massiven Gender Gap in der Tech-Branche total überrascht. Nach drei Jahren kann ich sagen, die meisten Unternehmen ermutigen Frauen sich zu bewerben, aber es gibt nicht so viele Frauen mit einem technischen Background. Und wenn es sie gibt, müssen sie meist härter arbeiten, weil sie zur Minderheit gehören.

In Indien hingegen gibt es sehr viele Frauen, die danach streben etwas Technisches zu studieren, meistens im Software-Bereich. Aber sie haben aktuell mit vielen Vorurteilen gegenüber ihrem Geschlecht, dem Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen, stagnierendem Wachstum, sexueller Belästigung und dem fehlenden Support von männlichen Kollegen zu kämpfen. Natürlich variiert das auch von Unternehmen zu Unternehmen, aber Frauen begegnen definitiv größeren Herausforderungen, um sich zu etablieren und Sichtbarkeit zu schaffen.

Gibt es besondere Schwierigkeiten, denen du selbst als Frau in der Tech-Branche begegnest?

Nicht wirklich. Ich habe das Glück wirklich helfende und unterstützende, männliche Kollegen zu haben. Ich bin sehr dankbar für all meine Seniors und Mentor*innen, die mir dabei geholfen haben zu lernen und zu wachsen.

Was sind deine größten Erfolge der letzten Jahre?

Aus der Komfortzone meines Heimatlands zu treten und meine sichere Position bei einer großen Firma aufzugeben, um einer Karriere in einem anderen Teil der Welt nachzugehen, war sicherlich das Größte. Ich habe sowohl persönlich als auch im professionellen Sinne viel gelernt und bin dadurch total gewachsen. Im Ausland zu arbeiten erweitert deinen Horizont und dein kulturelles Bewusstsein. Ich liebe es in diversen Teams zu arbeiten und genieße das sehr.

Was muss passieren, damit sich mehr Frauen in die Tech-Branche wagen?

Wir müssen den Worten Taten folgen lassen. Wir müssen Frauen bestärken – angefangen mit der richtigen Schulausbildung für relevante Jobmöglichkeiten. Es ist wichtig, dass wir uns als Frauen gegenseitig supporten. Das kann zum Beispiel in diversen Initiativen, Training Programs, Gruppen und Communitys passieren, in denen Frauen ihre Erfahrungen miteinander teilen und voneinander lernen können. Außerdem muss es die Garantie für gleiche Bezahlung, frauenfreundliche Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten des Lernens und Wachstums innerhalb der Position geben. Jede*r sollte Verantwortung übernehmen, ein sicheres und positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Ich glaube sehr stark daran, dass Offenheit und beharrliches Empowerment von Frauen uns dahin bringen kann. Also, teilt und wachst!

Was ist dein Ratschlag für Mädchen und Frauen, die gerne im Bereich Webentwicklung arbeiten wollen?

Brecht die Stereotypen auf und glaubt an euch selbst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich genug weiß, um wirklich Ratschläge zu geben, aber ich empfehle sich wirklich zu trauen groß zu denken – auch wenn es außerhalb deiner Komfortzone ist oder du Angst hast zu scheitern. Es geht nicht immer darum zu gewinnen. Jeder kleine Schritt zählt. Zeig dich der Welt und lebe deinen Traum. Der beste Weg, um Neues zu lernen, ist es genau das zu tun. Wenn du gerne programmieren lernen möchtest, suche dir die nötigen Ressourcen, sprich die Leute an, die du bewunderst und arbeite weiter daran.

Liebe Pallavi, vielen Dank für deine Offenheit und die empowernden Worte.

Ihr wollt mehr Frauen aus der Tech-Branche kennenlernen? Hier zeigen wir euch Frauen, die ihr kennen solltet.

Vorschaubild: © Fernando Hernandez/unsplash.com und © Peakon

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