10 December, 2018, 00:38

Was ist eigentlich aus dem guten alten Mixtape geworden?

Neulich tauchte in meiner Spotify-Playlist ein Song auf, den ich schon ewig nicht mehr gehört hatte. Und doch wusste ich sofort wieder, woher ich ihn kannte. Das Lied befand sich auf dem Mixtape, das mir mein erster Freund vor fast 15 Jahren geschenkt hatte. Gut, ehrlich gesagt war es damals schon eine CD und keine Kassette mehr, aber es war vor allem eines: mit Liebe und Bedacht nur für mich zusammengestellt. Und für mich bis heute eine der schönsten Arten „Ich liebe dich“ zu sagen.

Als ich jedenfalls nach Jahren wieder diesen Song hörte, musste ich daran denken, wie das eigentlich heute läuft. Denn wer hört mittlerweile überhaupt noch CD’s, geschweige denn Kassetten? Auf die runden Scheiben folgten MiniDiscs, anschließend MP3-Player und heute wird Musik hauptsächlich über Spotify oder andere Dienste gestreamt. Viele der jüngeren Millennials wissen nicht mal mehr, wie man einen Walkman überhaupt bedient.

Und dieser Fortschritt ist ja auch richtig und wichtig. Bloß frage ich mich, ob es heutzutage überhaupt noch ein modernes Pendant zum Mixtape gibt? In meiner Generation waren das CDs und damit immerhin noch eine „analoge“ Alternative. Eine Sache, die man einem geliebten Menschen persönlich überreichen konnte, bestenfalls mit eigens gestaltetem Cover und ein paar schönen Worten dazu.

Mixtape Bild auf Smartphone

Wie läuft das heute so? Steckt man seinem Freund oder seiner Freundin einfach einen USB-Stick zu, inklusive Word-Dokument als Liebesbrief? Oder erstellt man auf Spotify eine Playlist und lädt den anderen oder die andere dann einfach via App zum Mithören ein? Na klar, im Prinzip ist so ein Mixtape ja auch nichts anderes als eine Wiedergabeliste bestimmter Songs, dennoch würde diese in mir sicherlich nicht die gleichen Gefühle auslösen, wie eine echte Platte.

Vielleicht ist es ja so, dass das Konzept Mixtape heutzutage gar nicht mehr existiert. Möglicherweise gibt es mittlerweile genug andere Wege, um jemandem seine Liebe auszudrücken – zum Beispiel mit den passenden Emoticons bei WhatsApp oder regelmäßigen #CoupleGoal-Fotos auf Instagram. Vielleicht bin ich mit meiner romantischen Vorstellung in Zeiten von Computern ohne CD-Laufwerk ja einfach zu altmodisch.

Ich habe übrigens nichts gegen die fortschreitende Digitalisierung (fast) aller Lebensbereiche, aber im Zwischenmenschlichen können Smartphone und Co. dann eben doch nicht mit persönlichen Gesten mithalten, sondern sie allerhöchstens unterstützen. Denn ein echter Kuss bedeutet eben doch mehr als ein küssendes Emoticon, ein handgeschriebener Liebesbrief ist tausendmal schöner als sein digitales Pendant und ein Mixtape ist ein Mixtape ist ein Mixtape. So einfach ist das.

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