9 December, 2018, 23:21

Aufgepasst: Diese Menstruations-Apps verkaufen die Daten ihrer Nutzerinnen

Ich finde, Menstruations-Apps sind eine wunderbare Sache. Nach dem Absetzen der Pille habe ich Natural Cycles ausprobiert, verwende außerdem Ovy und habe durch die Anwendungen viel neues über meinen Körper und vor allem über meinen Zyklus gelernt. Alles, was man dafür tun muss? Jeden Morgen fleißig seine Daten eingeben – zum Beispiel die Temperatur, ob man gerade seine Periode hat oder nicht, ob man Sex hatte oder nicht, die momentane Stimmung und je nach App noch viel mehr. Es handelt sich also vor allem um sehr sensible Daten, die man nicht einfach mit jedem teilen möchte.

Kostenlose Apps sind häufiger betroffen

Das feministische Cyber-Security-Projekt Chupadados hat nun allerdings herausgefunden, dass genau dies bei einigen Apps passiert. Das Team aus Aktivistinnen, Autorinnen und Tech-Expertinnen hat vier beliebte Menstruations-Apps genauer unter die Lupe genommen – Clue, Glow, My Calendar und Maya. Laut Chupadados verkaufen alle vier Anwendungen Infos über ihre Nutzerinnen an Dritte. Generell geschehe dies vor allem bei kostenlosen Apps.

Besagte Daten sind aber nicht nur diejenigen rund um die Menstruation, sondern eben auch alle anderen Informationen, die ihr der App zum Tracking bereitstellt. Also über euren Gefühlszustand, eure sexuellen Aktivitäten, die Konsistenz eures Ausflusses und alles weitere, was dazugehört. Je nach Privatsphäre-Einstellungen können die Anwendungen darüber hinaus auch den Aufenthaltsort oder andere Aktivitäten der Userinnen abrufen.

Achtet auf die Nutzungsbestimmungen

Dass Nutzerdaten verkauft werden, ist längst keine Überraschung mehr und sollte jedem von uns bewusst sein. Nicht zuletzt Facebook, aber auch viele andere Apps nutzen diese Informationen, um etwa speziell abgestimmte Werbung einzublenden. Gerade bei solch sensiblen Themen sollten wir in Zukunft vielleicht doch etwas länger darüber nachdenken, welche Daten wir tatsächlich preisgeben möchten und vor allem einen ganz genauen Blick in die Nutzungsbestimmungen werfen. Denn wer möchte schon, dass die Zyklus-App Informationen darüber herausgibt, wie im letzten Monat der Stuhlgang war?

Ob Daten gesammelt werden oder nicht, kann man genau dort nachlesen. Genau – in diesen kleingedruckten Texten, die jede*r von uns meist in wenigen Sekunden bestätigt, aber niemals gründlich durchliest. Um besser aufzuklären, hat die Gruppe um Chupadados die Nutzungsbestimmungen aus allen analysierten Apps kurz und knapp für die Userinnen zusammengefasst. So steht etwa bei der App Glow, dass sie Daten mit Dritten teilt, Nutzerinnen anhand ihrer Daten über Produkte informiert und sogar noch nach Auflösen des Benutzerkontos die Daten behält. Gesammelte Daten würden laut der Cyber-Aktivistinnen nur in Ausnahmefällen anonymisiert.

Auch wenn kostenlose Apps nicht per se schlechter sein müssen als die Bezahlvarianten, lohnt es sich an manchen Stellen vielleicht doch, ein wenig mehr zu investieren und sich aufmerksam zu informieren. Letztendlich entscheidet auch ihr selbst darüber, ob eure Daten sicher sind oder nicht.

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