21 November, 2019, 10:34

Kühlschrank füllen per Mausklick: Mehr Flop als Top?

Der Onlinehandel boomt und wächst von Tag zu Tag, doch nicht so der Lebensmittel-Onlinehandel. Habt ihr schon einmal euren Kühlschrank per Mausklick gefüllt? 

In deinem Kühlschrank herrscht mal wieder gähnende Leere, doch allein bei dem Gedanken deine Einkäufe bis in den vierten Stock tragen zu müssen, vergeht dir der Hunger? Da geht es nicht nur dir so, sondern auch vielen anderen. Da kommt schnell die Frage auf: Wenn ich meine Kleidung online shoppen kann, wieso dann eigentlich nicht auch meine Lebensmittel? Gesagt, getan! Der Lebensmittel-Onlinehandel war geboren. Heute gilt der Bereich des Onlinehandels laut foodwatch als einer der meist diskutierten Zukunftstrends.

Spitzenreiter Non-Food

Seit einigen Jahren gibt es den Lebensmittel-Onlinehandel. Und auch dieser wächst. Aber habt ihr schon einmal per Mausklick euren Kühlschrank gefüllt? Eins können wir vorwegnehmen: Zu den attraktivsten Warengruppen gehören die Lebensmittel nicht. Der Non-Food-Sektor regiert die Top 10 der umsatzstärksten Bereiche im interaktiven Handel.  Spitzenreiter ist und bleibt die Kleidung, gefolgt von Elektroartikeln, Software, Schuhen und Haushaltswaren. Auch wenn es für die Top 10 nicht ausreicht, steigt die Anzahl der Käufer*innen von Lebensmitteln im Internet. Waren es 2008 gerade einmal sechs Prozent, stieg der Anteil der Personen im Jahr 2018 auf mittlerweile 22 Prozent. Was eine spannende Entwicklung ablesen lässt, macht jedoch lediglich 1% Prozent von insgesamt 150 Milliarden Euro aus, die in der Lebensmittel-Branche jährlich erwirtschaftet werden.

Kann der Gang ins Netz den Gang in den Supermarkt ersetzen?

Wie oft kaufst du im Internet ein? Ja, wir sehen es dir an, dir geht es sicherlich wie uns – eindeutig zu oft! Eine Frage, die viele Menschen mit „häufig“ beantworten. Fragt man ein wenig spezieller, um herauszufinden, wie oft sie Lebensmittel online einkaufen, haben laut einer Statistik aus dem Jahr 2016 ganze 48 Prozent mit „Nicht gemacht und kann ich mir auch nicht vorstellen“ geantwortet“. Ein Jahr später haben ganze 84 Prozent der Online-Käufer*innen mit „Ich kaufe Lebensmittel ausschließlich auf traditionellem Weg ein“ geantwortet. Machen wir es dem Lebensmittel-Onlinehandel schwer sich zu etablieren? Wie sieht es wohl in anderen Ländern aus? Während in Italien, den Niederlanden und Belgien noch weniger Lebensmittel online gekauft werden als bei uns,  sind unsere skandinavischen Nachbarn, Frankreich und Spanien durchaus größere Freunde davon. Europäischer Spitzenreiter? Großbritannien!

Aktuell werden vor allem Kleidung und Elektroartikel online bestellt. Lebensmittel scheinen für die Verbraucher*innen noch nicht interessant zu sein. © My Life Graphic/Shutterstock

Wieso kaufen wir nicht ganz bequem online unsere Lebensmittel, nachdem wir das neue Outfit für das kommende Wochenende bestellt haben? Hindernisse stellen hier unter anderem die hohen Preise dar. Sowohl bei den Produkten selbst als auch bei den Versandkosten. Kleiner Single-Einkauf? Leider nicht möglich. Zumindest beim umsatzstärksten Anbieter Rewe. Hier gibt es einen vorgegebenen Mindestbestellwert von 50,00 €. Außerdem findet eine Lieferung meist nur in einem bestimmten Zeitfenster statt, wodurch das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln als eher unflexibel wahrgenommen wird. Ein Bio und Fairtrade Onlinehandel verspricht den Kund*innen, dass die Lieferung zwischen 8-18 Uhr erfolgt. Lieferzeiten, die uns stark an einen Termin mit dem/der Telekomtechniker*in erinnern. Außerdem sind die Kund*innen noch misstrauisch gegenüber dem Lieferservice, schließlich kann man das Produkt nicht wie im Supermarkt vor Ort und Stelle sehen und prüfen, was zu einer unsicheren Produktqualität führt und zu einem leeren Warenkorb. Ein Grund vielleicht, wieso es im Online-Supermarkt von Edeka bis auf ein paar Zwiebeln keine frischen Produkte gibt? Ja, das ist ein wahrer Grund zum Weinen, denn was fehlt, ist das Einkaufserlebnis. Dieses kann der Klick im Netz nicht ersetzen.

Die Revolution des Lebensmittelhandels bleibt aus

Vielleicht genau aus diesem Grund steht es heute, nur wenige Jahre nach Eröffnung so schlecht um die Lebensmittel-Online-Shops. Der einstige Pionier der Branche, die Biokette Basic, hat den Onlineshop nach mehr als zehn Jahren im Geschäft geschlossen. Doch nicht nur den kleineren Firmen ergeht es so. Auch Handelsriese Amazon zieht die Bremse. Hat man Amazon Fresh noch vor einiger Zeit eine positive Umsatzentwicklung prognostiziert, habe Amazon den Ausbau des Lebensmittel-Segments vorerst gestoppt. Expert*innen sprechen gegenüber dem Handelsblatt davon, dass ein schneller Ausbau der Branche schwieriger ist, als anfänglich gedacht und die Revolution des Lebensmittelhandels deshalb vorerst ausgeblieben ist – und bis heute ausbleibt!

Hast du bereits Lebensmittel online bestellt?

Vorschaubild: Sashkin/Shutterstock

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