21 May, 2019, 16:54

Das ist doch der helle (Weihnachtslichter)Wahnsinn!

So besinnlich die Weihnachtszeit auch ist, so verrückt ist sie gleichermaßen. Zu keiner Zeit sonst im Jahr sind die Menschen so darauf bedacht es sich gemütlich zu machen, es besonders schön zu haben. Seit jeher ist dafür in der dunklen Jahreszeit vor allem viel Licht verantwortlich. Alles soll irgendwie erstrahlen und funkeln, damit man trotz Dunkelheit ein wenig Glücksgefühle bekommt.

Bei so mancher Weihnachtsbeleuchtung bekommt man aber eher das Gefühl, dass hier die Devise gilt: je mehr, desto besser. Der Lichterwahnsinn der USA ist in den letzten Jahren, wie manch anderer Trend, auch immer mehr nach Deutschland geschwappt. Wir wollten mal wissen, welche Auswirkungen diese ganze Beleuchterei eigentlich hat. Und ob es da nicht vielleicht auch sinnvollere Alternativen für gäbe.

©Marina Khrapova

Die USA – Spitzenreiter in Sachen Wahnsinn

Umweltforscher*innen haben herausgefunden, dass die USA zur Weihnachtszeit mehr Strom verbraucht als andere Länder im gesamten Jahr. Das liegt natürlich maßgeblich daran, dass die Stromversorgung in einigen Ländern noch lange nicht so weit fortgeschritten ist, wie es in Industrieländern der Fall ist. Dennoch, ganze 6,6 Milliarden Kilowattstunden haut die USA zur Weihnachtszeit raus, wie die Umweltorganisation Center for Global Development 2007 mitteilte.

Länder wie Kambodscha oder Nepal kommen ganzjährig sogar nur auf die Hälfte des Stromverbrauchs der USA in der Weihnachtszeit.

In manchen Regionen der USA hat das vorweihnachtliche, elektrische Schmücken nahezu Wettkampfdisziplin angenommen. Jedes Haus muss noch stärker leuchten als das andere. In New York zum Beispiel gibt es zwei Viertel, die jedes Jahr aufs Neue darum streiten, wer nun die schöner und opulenter geschmückten Häuser hat. Das Spektakel ist mittlerweile so beliebt, dass man Touren durch Dyker Heights und Bay Ridge in Brooklyn buchen kann. Es verwundert damit auch nicht, dass die erste elektrische Lichterkette, die je an einem Weihnachtsbaum gesehen ward, ebenfalls aus den USA stammt. Kein Geringerer als der Vizepräsident der Edison Electric Light Company, Edward Johnson, versetzte die Menschen 1882 in Staunen, als sein Weihnachtsbaum auf einmal mit bunten Lämpchen elektrisch erstrahlte.

„Es scheint, als tanzten die Farben Rot, Weiß, Blau den ganzen Abend“ Journalist William Croffut für die Zeitschrift Detroit Post and Tribune

Momentan gehen Expert*innen davon aus, dass sich die irre klingende Zahl von 6,6 Milliarden Kilowattstunden mittlerweile etwas nach unten korrigiert hat, da Energiesparlampen mittlerweile viel weiter verbreitet sind als noch vor elf Jahren.

Was ist überhaupt eine Energiesparlampe?

Eine herkömmliche Glühlampe wandelt lediglich fünf Prozent der zugeführten Energie in Lichtenergie um, der Rest geht als Wärmenergie verloren. Ein nicht besonders effizientes System also. Bei Energiesparlampen wurde dieses etwas optimiert. Sie sind fünf Mal so effektiv wie Glühbirnen und wandeln damit ganze 25 Prozent in Lichtenergie um. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass sie mit viel weniger Energie die gleiche Helligkeit erzeugen können.

Und wie sieht es nun in Deutschland aus?

Laut Untersuchungen wird in der gesamten Weihnachtszeit etwa halb so viel Strom für den Weihnachtslichterwahnsinn verbraucht, wie sonst das ganze Jahr über für Licht verwendet wird. Dabei erreicht der Stromverbrauch in Deutschland am ersten Weihnachtsfeiertag seinen absoluten Höhepunkt. Expert*innen sprechen hier von der sogenannten Gänsebratenspitze.

Denn innerhalb der eigentlichen Weihnachtstage sind es nicht die Lichter, die den größten Stromverbrauch ausmachen, sondern vor allem alle anderen elektrischen Geräte, die gerade fürs Kochen und Backen verwendet werden. Und nicht nur das: das dauernde Dudeln der Weihnachtslieder, der x-te Weihnachtsfilm und die glühende PlayStation machen laut Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in der Summe, mit dem Braten im Elektroherd und den zehn Schwibbögen in jedem Fenster, ganze 480 Millionen Kilowattstunden aus.

© Chris Benson

Dabei klingt es eigentlich recht harmlos, was der/die Durchschnittsdeutsche an Lichtern so dekoriert. Laut Heidelberger Institut für Energiedienstleistungen (IFED) kommen auf einen Haushalt lediglich zwei Lichterketten und ein zehn Meter langer Lichterschlauch. 17 Milliarden Lämpchen sollen es insgesamt über ganz Deutschland verteilt sein. Und das regional sicherlich auch höchst unterschiedlich. In beliebten Weihnachtsregionen wie dem Erzgebirge erstrahlt nahezu jedes Fenster in hellem Lichterglanz während in Berlin z.B. wesentlich weniger Menschen ihre Wohnungen und Außenbereiche, wenn auch manchmal recht fragwürdig überladen, schmücken.

Und dennoch verbraucht allein in der Zeit zwischen dem ersten Advent und dem 6. Januar, an dem traditionell der Weihnachtslichterwahnsinn ein Ende hat, ein Durchschnittshaushalt etwa 190 Kilowattstunden. Das ist halb so viel Strom, wie sonst das ganze Jahr über für die Beleuchtung gebraucht wird. Die insgesamt knapp 500 Millionen Kilowattstunden in Gesamtdeutschland könnten dabei 140.000 Haushalte das ganze Jahr über mit Strom versorgen.

Eines dieser ganz besonderen Häuser gibt es natürlich auch in Deutschland. Die Familie Vogt steht dem Weihnachtslichterwahnsinn der USA in nichts nach. Sie schmücken seit 1999 das wohl berühmteste Weihnachtshaus in ganz Deutschland, wenn nicht sogar ganz Europas. Mit ca. 500.000 Lichtern am gesamten Haus und Grundstück erstrahlt das Prachtteil und verprasst bis zu 3000 Euro Stromkosten über die Weihnachtszeit.

Wenn du nun wissen willst, wie viel du selbst wirklich verbrauchst. Dann kannst du das über diesen Rechner machen. Aber Achtung, nicht vor Schreck vom Stuhl oder in den Tannenbaum kippen!

© Diogo Palhais

Nicht nur Kostenfresser

Umweltschutzorganisation wie BUND warnen davor, dass die ständige Weihnachtsbeleuchtung und das unnatürliche Licht für die Tierwelt negative Effekte haben können. So kann Vögeln zum Beispiel vorgegaukelt werden, dass es bereits Richtung Frühling geht und Nester gebaut werden müssen. Manche treten ggf. gar nicht erst den Zug Richtung Süden an. Andere Tiere, die eigentlich einen Winterschlaf oder Winterruhe halten, können in ihrem natürlich Rhythmus gestört werden, da die Helligkeit sie aus dem Schlaf holt.

Geht das auch besser?

In den letzten Jahren hat sich natürlich einiges in Sachen Weihnachtsbeleuchtung getan. Die guten alten Glühbirnen haben ausgedient und Energiesparlampen und LED’s bahnen sich ihren Weg auf deutsche Balkone, in Vorgärten und warme Winterstuben. Immerhin ca. 70 Prozent aller Deutschen sollen demnach LED-Beleuchtung in den Weihnachtstagen nutzen. Dabei verbraucht eine LED-Lichterkette 80% weniger Strom als eine herkömmliche! Auch Solar-LED-Beleuchtung wird immer beliebter. Für die Außenbeleuchtung ist das dann dank Sonnenenergie quasi komplett gratis.

Doch auch LED hat natürlich seine Schwierigkeiten. So werden für die Herstellung der Leuchtdioden fragwürdig gewonnene Rohstoffe verwendet, die zu den sogenannten seltenen Erden gehören. Immerhin kommen LED’s mit weitaus weniger als z.B. Energiesparlampen aus. Dennoch sollte man immer darauf achten, woher die Geräte und schönen Lichter der Weihnachtszeit kommen und möglichst nachhaltig und bedacht kaufen, damit man sie im Idealfall wirklich ein ganzes Leben lang verwenden kann.

Außerdem sollte man mit Zeitschaltuhren arbeiten. So kann man sicherstellen, dass die schönen, hellen Lichter auch wirklich nur leuchten, wenn es überhaupt jemand sieht bzw. dass eben die Tiere nicht nachts denken, es sei helllichter Tag. Und wem das alles zu viel wird oder wer die Stromrechnung in diesem Jahr dezent halten möchte, kann auch einfach auf die gute alte Kerze zurückgreifen.

Titelbild: www.newyorkcity.de

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