9 December, 2018, 23:21

Berlinale: Live-Übersetzung im Kinosaal

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin zeigen jedes Jahr ein breites Spektrum an Filmen. Die Filme werden immer in der Originalsprache gezeigt, was absolut Sinn macht, denn die Sprache ist ein Teil der Identität von Schauspieler*innen. Die Stimmlage, die Betonung und auch die Lautstärke gehören zum Spiel dazu und beeinflussen, wie wir das Gesagte wahrnehmen. Darum werden alle Filme bei der Berlinale untertitelt.

El día que resistía | Regie: Alessia Chiesa

Welche Kinder lesen Untertitel?

Für Kinder ist es jedoch sehr schwierig, fremdsprachige Filme ohne Synchronisation zu rezipieren. Entweder der Untertitel lenkt so ab, dass man das bewegte Bild nicht mehr verfolgen kann. Oder man liest die Untertitel erst gar nicht, dann versteht man die Erzählung jedoch nicht. Synchronisation ist auch keine Option, da dies sehr teuer ist und die meisten Kinder-Festivalfilme in keinen großen Kinosälen ausgespielt werden.

Was also tun?

Die Berlinale und viele andere Festivals lassen die Kinderfilme vor Ort live einsprechen. Das Ganze nennt sich Simultanverdolmetschung, bei dem meist ein Dolmetscher oder eine Dolmetscherin an einem Pult oder in einer extra Kabine im Kinosaal sitzt und den Film live übersetzt. Ganz ohne Vorbereitung funktioniert das natürlich nicht. Der Sprecher oder die Sprecherin hat im Normalfall den Film mehrere Male gesehen und den Text übersetzt. Je nach Zeit gibt es auch eine Generalprobe, in welcher der Film einmal komplett durchgesprochen wird. Und dann kann es auch schon losgehen. Meist gibt es mehrere Aufführungen während des Festivals und der Sprecher muss bei jeder Darbietung anwesend sein und live mitsprechen. Oft hört man im Hintergrund noch die Originalvertonung, was komischerweise gar nicht stört.

Tipp: Bei der Berlinale laufen die Kinderfilme in der Sektion Generation, in der auch kurzfristig noch Karten zu kaufen sind. Schaut doch mal im Programm rein. Es lohnt sich – auch für die Großen!

Cirkeline, Coco og det vilde næsehorn | Regie: Jannik Hastrup

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