18 November, 2018, 10:25

Vero App – Mehr Schein als Sein

Na, auch schon bei Vero? In den letzten Tagen hat sich die Social-App wie ein Lauffeuer verbreitet und wird nicht nur in sämtlichen Medien als das neue Instagram gehandelt, sondern auch von ihren Nutzer*innen. Auch wir von Team techandthecity.de haben uns natürlich direkt angemeldet, um bloß nichts Wichtiges zu verpassen. Auf den ersten Blick erscheint Vero zwar etwas unübersichtlich, aber irgendwie auch ziemlich cool. Das Design ist nämlich endlich mal etwas Neues und die Plattform verspricht, anders als Facebook oder Instagram, „wirklich social“ zu sein.

Vero App
Foto: Vero

Das bedeutet konkret: Auf Vero gibt es keinen Algorithmus, der bestimmt, was User sehen können und was nicht. Es gibt keine Werbung, sodass die Inhalte nicht von Firmen vorgegeben werden. Außerdem werden angeblich niemals Daten gesammelt. Der Feed besteht lediglich aus Einträgen von Freunden, abonnierten Nutzern oder Promis. Wer in der App etwas postet, kann selbst festlegen, welche Nutzer*innen den Inhalt sehen können, die man vorher in „Enge Freunde“, „Freunde“ oder „Bekannte“ einordnet. „Wenn du Kontrolle darüber hast, wer was sehen kann, kannst du dich viel natürlicher verhalten“, heißt es im Manifest auf der Webseite.

So weit, so gut. Seit gestern Abend tummelt sich in meinem Instagram-Feed anstatt Lobeshymnen auf die neue App jedoch mehrfach Kritik, und diese ist leider mehr als berechtigt. Gründer und Geschäftsführer der App ist Ayman Hariri, Milliarden-Erbe aus dem Libanon. Bis im letzten Jahr war er stellvertretender Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender von Saudi Oger, einer der größten Baufirmen in Saudi-Arabien, die 2016 häufig Negativschlagzeilen gemacht hat. Die Löhne der Mitarbeiter wurden über Monate hinweg nicht ausgezahlt, außerdem sollen die Arbeiter in Lager eingesperrt worden sein. Die Firma wurde im letzten Jahr wegen Korruption und der Ausbeutung von Mitarbeitern geschlossen.

„True Social“ klingt anders und auch das Team hinter der Vero App ist mehr als fragwürdig – es besteht nämlich aus 22 Männern und nur einer einzigen Frau, die übrigens im Customer Support arbeitet. Von Diversität, die mit dem Gedanken des Sozialen doch eigentlich einhergehen sollte, keine Spur. Natürlich bleibt es jedem von euch selbst überlassen, ob ihr euer Nutzerprofil behaltet oder nicht – für uns ist Vero jedoch keine Alternative.
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One Comment

  1. Fräulein Technik

    Ich denke auch nicht, dass ich mich bei Vero anmelden werde. Es gibt schon so viele Social Media Portale. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Facebook, Instagram und Co. auch sehr mag. Die Algorithmen leider nicht so, weil ich viel verpasse, was ich eigentlich sehen will, aber ansonsten finde ich die Plattformen gut. Auch Twitter finde ich super, weil man dort einfach kurz und knapp was zwitschern kann ohne viel KlimBim!