,

Sexroboter - Sieht so die Liebe der Zukunft aus?

Sexroboter - Sieht so die Liebe der Zukunft aus?

Schaufensterpuppe mit Sonnenbrille

Erinnert ihr euch noch an Lars Lindstrom? Diesen komischen Typen aus einer US-amerikanischen Kleinstadt, der Einzelgänger ist und andere Menschen stets meidet? Der sich eines Tages im Internet eine lebensechte Puppe bestellt und sie den anderen als seine neue Freundin vorstellt, um ab sofort mit ihr zusammenzuleben? Genau, die Rede ist von Lars aus Lars und die Frauen, einem Film aus dem Jahr 2007 von Regisseur Craig Gillespie und mit Ryan Gosling in der Hauptrolle. Immer mehr Filmemacher haben sich in den letzten Jahren diesem ambivalenten Thema verschrieben. So ist der Protagonist aus Her (2013) mit einem Betriebssystem samt weiblicher Stimme liiert, bei Dr. House (2004-2012) schläft ein Patient mit seiner lebensechten Puppe und in der Serie Westworld (ab 2016) sind die Hauptfiguren Roboter, die sich kaum mehr von Menschen unterscheiden lassen.

Was in diesen Verfilmungen noch wie Science-Fiction klingt, könnte allerdings schon bald Wirklichkeit werden. Sexpuppen oder Sextoys sind zwar längst nichts Neues mehr, eine emotionale Bindung zu ihnen aber in der Regel schon. Mit lebensechten Sexrobotern sollen Menschen in Zukunft nicht mehr nur ins Bett gehen, sondern auch ihre Wünsche äußern oder Unterhaltungen führen können. Sieht so etwa die Liebe der Zukunft aus?

Harmony erfüllt jeden Wunsch

Einer dieser neuen Sexroboter ist Harmony. Bisher existiert nur ein Prototyp der Puppe aus dem US-amerikanischen Hause Real Doll, bereits ab Ende dieses Jahres soll sie jedoch für 15.000 Dollar (!) erhältlich sein. Harmony hat volle Lippen, große Brüste und ist äußerst flexibel. Ihrem „Partner“ liest sie scheinbar jeden Wunsch von den Augen ab und erfüllt sie ohne Widerworte. „Mein Ziel ist es, dir eine gute Begleiterin zu sein und Vergnügen zu bereiten“, sagt Harmony in einer interessanten Reportage des Guardian. Ganz offensichtlich stand hier ein Pornostar Modell und nicht etwa eine Frau mit realistischen Körpermaßen – nur eine der Problematiken an den lebensechten Sexpuppen.

Die Frage danach wurde erst kürzlich in einer Studie der Foundation for Responsible Robotics aufgeworfen, für die Forscher mit Experten und Herstellern gesprochen sowie Umfragen in den USA, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden geführt haben. Welchen Einfluss haben Sexroboter eigentlich auf ihren Besitzer? In Bezug auf stereotype Äußerlichkeiten liegt die Antwort auf der Hand: Frauen werden hier ganz klar objektifiziert und sexualisiert, sie werden zum Eigentum gemacht. Eine Ungleichstellung der Geschlechter ist also im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert. Zwar gibt es sowohl weibliche als auch männliche Sexroboter, allerdings zeigen sich Männer laut der Studie deutlich interessierter – übrigens an Puppen beider Geschlechter. Zudem sind alle Prototypen der neuen Sexroboter weiblich.

Schaufensterpuppe

Nutzen und Gefahren

Fürsprecher in der Studie sehen bei den Maschinen andere Vorteile als die reine Triebbefriedigung. Sie meinen, dass die Roboter zum Beispiel dabei helfen könnten, Prostitution und somit auch die Ausbeutung unzähliger Frauen zu verhindern. In Barcelona etwa gibt es bereits ein Bordell nur mit Robotern. Im Rahmen von Therapien könnten sie für die Heilung von sexuellen oder emotionalen Störungen eingesetzt werden. Befürworter meinen ebenfalls, dass auf diese Weise Prävention von Sexualverbrechen oder der Missbrauch von Kindern erzielt werden könnte. Außerdem würden Roboter auch denjenigen Menschen ein Sexleben ermöglich, die sonst vielleicht nie eines hätten.

Dr. Kathleen Richardson, Professorin für Roboter-Ethik an der De Montfort University in Leicester und Gründerin der Campaign Against Sex Robots, sieht die aktuellen Entwicklungen dagegen äußerst kritisch. Die Wissenschaftlerin ist zwar nicht gegen Roboterforschung an sich, bewertet sie in der Sexindustrie jedoch als große Gefahr. Frauen würden zu reinen Sexobjekten abgewertet, weil die Maschinen hauptsächlich männliche Bedürfnisse befriedigen. In besagter Reportage mit The Guardian geht Richardson sogar noch einen Schritt weiter und vergleicht den Besitz eines Sexroboters mit der Ausbeutung eines Sklaven.

„Sex ist eine Erfahrung zwischen zwei menschlichen Wesen“, sagt die britische Professorin, und weiter: „Menschen und Objekte sind nicht austauschbar.“ Damit spricht Richardson ein weiteres Problem der Nutzung von Sexrobotern an, das auch in der Studie der Foundation for Responsible Robotics aufgegriffen wird: Einsame Menschen bauen Bindungen zu ihnen auf und sehen diese Beziehungen als echte menschliche Interaktion, obwohl sie in Wirklichkeit nur ihre eigenen Gefühle projizieren. Durch den emotionalen Kontakt zu einem Objekt könnten sich ohnehin schon einsame Menschen noch mehr isolieren und sich selbst immer weiter aus der Gesellschaft ausgrenzen.

Diskussion ist wichtig

Empirische Studien zum Einfluss von Sex mit Robotern auf zwischenmenschliche Beziehungen gibt es derzeit noch nicht und somit bleiben beide Sichtweisen vorerst Spekulation. In der breiteren Betrachtung zeigt sich auf der einen Seite, dass medialer Konsum wie von Pornografie sehr wohl Einfluss auf das Sexualverhalten hat. Studien mit Jugendlichen beweisen, dass die Filme ihre Vorstellungen von Sex verändern, ihnen unrealistische Körperbilder vermitteln und eine höhere sexuelle Gewaltbereitschaft hervorrufen. Auf der anderen Seite gleichen die Argumente denen von Diskussionen über gewalttätige Filme, Videospiele oder Heavy Metal. Inwieweit sich der negative Einfluss solcher Medien bisher bewahrheitet hat, sollte jeder selbst entscheiden. So oder so ist ein komplettes Verbot wohl nicht des Rätsels Lösung, nur sollte in jedem Fall eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden.

Die Filmindustrie ist da natürlich schon ein Stück weiter. In Her wird der Protagonist am Ende nach einer innigen Beziehung von seinem Betriebssystem verlassen und ist am Boden zerstört, gleichzeitig verarbeitet er aber so die Trennung von seiner Ex-Frau, was trotz der Beteiligung von künstlicher Intelligenz einen zutiefst menschlichen Reifeprozess darstellt. Bei Lars und die Frauen geschieht am Ende genau das Gegenteil von befürchteter Aus- beziehungsweise Abgrenzung: Weil das soziale Umfeld seine Beziehung zu der Puppe nach und nach akzeptiert und als etwas Normales ansieht, fühlt er sich auch in menschlicher Gesellschaft auf einmal verstandener und wohler. Er öffnet sich den anderen Stadtbewohnern gegenüber immer mehr und ist am Ende vielleicht sogar bereit für eine echte Beziehung.

Möglicherweise deuten diese Beispiele an, dass das Thema Sexroboter – wie so viele andere auch – sehr individuell gesehen werden muss. Dennoch bleiben bei der Entwicklung einige nicht zu vernachlässigende Risiken. Wie seht ihr das? Sind Sexroboter eine Gefahr für unsere Werte oder vielmehr ein Weg in eine tolerante Zukunft? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!

Fotos via Unsplash