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Frauen in der IT - "Deutschland hat ein Kulturproblem"

Frauen in der IT - "Deutschland hat ein Kulturproblem"

Tech-Open-Air-2017-Day-Two-Image-copyright-Dan-Taylor

“Wieso trägt dieses Panel eigentlich den Namen ‘Women in Tech’? Wieso heißt es nicht einfach ‘People in Tech’?”

Eine interessante und vor allem wichtige Frage, mit der Shermin Voshmgir eine der Diskussionen auf dem diesjährigen Tech Open Air in Berlin eröffnet. Eine Veranstaltung for women only, versteht sich. Und die erfolgreiche Gründerin von BlockchainHub liefert auch direkt die passende Antwort: “Dass so wenig deutsche Frauen in der IT-Branche arbeiten, ist ein kulturelles Problem.” Zwar gibt es hierzulande viele Entwicklerinnen, Informatikerinnen, BI-Spezialistinnen und Co., nur stammen diese eben aus anderen Nationen. Zum Vergleich: Während in Deutschland nur rund ein Fünftel der Informatikstudierenden weiblich ist, liegen die Quoten in Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten arabischen Emiraten, Jordanien oder dem Libanon bei über 50 Prozent. Woran liegt das?

Problem beginnt schon bei der Erziehung

Shermin Voshmgir meint, dass der Kern des Problems schon in der Kindererziehung zu finden ist. Weshalb gibt es heutzutage überhaupt noch verschiedene Überraschungseier für Mädels und Jungs? Sind wir im Jahr 2017 nicht schon weit darüber hinaus, unsere Töchter in Rosa zu kleiden und die Söhne in Blau? Anstatt unseren Kindern, wenn auch unbewusst, falsche gesellschaftliche Werte zu vermitteln, sollten wir ihnen lieber schon in jungen Jahren beibringen, was wirklich zählt. Und Technologie gehört definitiv dazu.

“Wenn Frauen nicht bald damit anfangen, sich für Tech-Studiengänge zu interessieren, werden sie in Zukunft ganz einfach ausgeschlossen”, sagt Voshmgir. Technologie sei nämlich schon längst keine Nebensächlichkeit mehr, sondern vielmehr Kern der Gesellschaft und Basis unserer gesamten Industrie. Deshalb sollte der Nachwuchs auch schon im Kindergarten lernen, dass Programmiersprachen für ihre Entwicklung genauso wichtig sind, wie es Fremdsprachen damals bei uns waren.

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Auch Quereinstieg ist möglich

Sandra Fründt, Marketing Director bei Google und ebenfalls Sprecherin beim Panel, hat ihre Tech-Karriere gestartet, obwohl sie nicht in der Richtung studiert hat. Ihrer Meinung nach kann man genauso gut als Quereinsteigerin in der IT-Branche arbeiten. Wichtigste Prämisse: Leidenschaft. Außerdem sollte man anpassungsfähig sein, schnell auf neue Entwicklungen reagieren können und lösungsorientiert arbeiten. Fehler seien nicht schlimm, nur müsse man aus ihnen lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Frauen besitzen bekanntermaßen andere (Soft) Skills als Männer und können diese natürlich genauso positiv in der Tech-Branche wie auch in jedem anderen Beruf einsetzen.

Zum Beispiel in Bezug auf Kreativität – und hier bringt die Google-Mitarbeiterin einen interessanten Punkt ins Spiel: Wenn fast alle Produkte von männlichen Entwicklern gebaut werden, wie sollen sie dann attraktiv für Frauen sein? Wenn der weibliche kreative Blick schon bei der Herstellung fehlt, wie sollen sie dann überhaupt als Kundinnen gewonnen werden?

Support your (local) Girlgang

Allgemeiner Konsens der Diskussion: Frauen müssen sich gegenseitig mehr supporten, um in der Tech-Branche nachhaltig sichtbarer zu werden und überhaupt erst eine Stimme zu bekommen. Denn obwohl es bereits viele kompetente Frauen in dem Bereich gibt, stehen überwiegend Männer auf der Bühne wie auch beim Tech Open Air. Unterstützung zwischen Frauen ist immer wichtig, ganz unabhängig von der Branche und von der Ebene. Sie kann auf Onlineplattformen genauso stattfinden wie auf der Bühne oder im Team.

Wenn wir Frauen uns nicht dafür einsetzen, wenn wir nicht im respektvollen Umgang auf diese Ungleichheiten aufmerksam machen, dann wird es niemand für uns tun. “Versuche selbst der Wandel zu sein, den du sehen möchtest”, sagt Sandra Fründt. “Dann wird sich in den nächsten fünf Jahren schon Vieles ändern.”

Fotos: Tech Open Air, Dan Taylor – dan@dantaylorphotography.com

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