Fashiontech-Ausblick: Ist 3D das neue Schwarz – oder ist Mode jetzt schon 4D?

Fashiontech-Ausblick: Ist 3D das neue Schwarz – oder ist Mode jetzt schon 4D?

3D-Druck ist in aller Munde – aber können wir ihn uns auch an unserem Körper vorstellen? Sind Fashiontech-Entwürfe wie das sich bewegende, 3D-gedruckte Parallax Dress der Designerin Lina Wassong auf der diesjährigen Berlin Fashion Week eine Spielerei oder die Zukunft?  

Technologie ermöglicht Individualität

“3D-gedrucktes Material fühlt sich anders an als Textil”, sagt Lina Wassong vom Berliner Fashiontech-Label ElektroCouture in einem Interview. “Je mehr Materialien sich entwickeln lassen, desto mehr lässt sich 3D-gedruckte Kleidung vorstellen, vor allem custom-made.”

Jüngst erschien zum Beispiel die auf 100 Stück limitierte und personalisierte 3D-gedruckte Jacke von Danit Peleg, die geschickt Textil mit 3D-Druckmaterial verbindet und individuelle Botschaften auf dem Rücken erlaubt. Die Gründerin von ElektroCouture, Lisa Lang, schwärmt: “Stell dir vor, ich drucke mir abends etwas aus und das ist individuell angepasst, auf mich und meine Bedürfnisse.” Sie fügt hinzu: “Die Lösung ist nicht nur 3D-Druck, es ist immer ein Mix aus verschiedenen Materialien und Technologien.“

Schuhe nach Maß aus dem 3D-Drucker

3D-gedruckte Kleidung liegt also gar nicht in so ferner Zukunft, wenn wir uns überlegen, wie schnell Ästhetik und Funktionalität sich in der Mode verändern. Wer allerdings mitziehen muss, sind die großen Marken: Neben Adidas hat auch New Balance dieses Jahr angekündigt, mit einem 3D-Druckerunternehmer die mass customization anzugehen. Auf Individualität ausgelegte Kleinserien erlauben einen Mittelweg zwischen Stangenware und Maßanfertigung.

Kunden von New Balance sollen zukünftig durch einen Scan ihrer Füße maßgefertigte Laufsohlen bekommen – aus dem 3D-Drucker natürlich. Das am MIT gegründete Formlabs entwickelt gerade ein entsprechendes Material, die neue Schuhlinie soll bis 2020 auf dem Markt kommen und die Leistungsfähigkeit von Spitzensportlern verbessern.

4D – eine Frage der Zeit?

Und was ist eigentlich mit 4D? Wäre es mit den rasanten Entwicklungen der Technik nicht auch denkbar, in der Zukunft High-Tech-Materialien zu tragen, die ihre Form erst in einer spezifischen Umgebung annehmen? Sich an Temperatur, Licht oder sogar die uns umgebenden Menschen anpassen?

Wenn wir darüber nachdenken, ist Kleidung zunächst auch nur 2D, die an unserem Körper 3D wird. Das demonstriert zum Beispiel das von den 90er Jahren inspirierte Kettentop des Designstudios Nervous Systems, das sich in zweidimensionalen Lagen aus Nylonpulver aus dem 3D-Drucker erhebt wie aus einer “black box”. 4D ist also nur noch eine Frage der Zeit.  

All diese Beispiele zeigen: Nach dem Recycling sämtlicher Modedekaden zur Jahrtausendwende könnte es zur Mitte hin mal wieder wirklich etwas Neues geben – etwas, das die Arbeit traditioneller Modehäuser wieder aufleben lässt und gleichzeitig modernen Technologien eine Bühne gibt …  

Dieser Gastbeitrag wurde von Anna Hantelmann verfasst. 

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